
Abfalldokumentation
Grenzüberschreitende Abfallverbringung für deutsche Betriebe erklärt
Abfalldokumentation bei grenzüberschreitender Abfallverbringung: Notifizierungspflichten in EU-Länder, NachwV, eANV, KrWG und AVV für Exportbetriebe.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Abfalldokumentation ist bei jeder grenzüberschreitenden Verbringung Pflicht, auch innerhalb der EU.
- Notifizierungspflichten greifen bei den meisten Abfällen, die in EU-Länder verbracht werden.
- Die NachwV regelt Nachweise und Begleitscheine, der eANV wickelt sie elektronisch ab.
- Zuständig sind die Landesbehörden. Auf EU-Ebene gilt seit dem 21. Mai 2026 die Verordnung (EU) 2024/1157 über die Verbringung von Abfällen (VVA), die die Verordnung (EG) Nr. 1013/2006 ablöst; die Verfahren laufen über das System DIWASS.
- Die AVV liefert den Abfallschlüssel, der über Verfahren und Dokumente entscheidet.
- Verstöße sind Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten nach dem Abfallverbringungsgesetz, das die Bußgeldrahmen festlegt.
Grundlagen der grenzüberschreitenden Abfallverbringung
Wer Abfälle über eine Grenze bringt, braucht mehr als einen Frachtbrief. Die Verbringung ist ein eigener Rechtsvorgang mit eigenen Dokumenten, Fristen und Behörden. Das gilt für Metallschrotte nach Österreich genauso wie für Lösemittelreste in die Niederlande.
Grundlage ist die Verordnung (EG) Nr. 1013/2006 über die Verbringung von Abfällen. Sie setzt das Basler Übereinkommen um und gilt unmittelbar in allen Mitgliedstaaten. Daneben steht das Kreislaufwirtschaftsgesetz, das die Verbringung in deutsches Recht fasst. Behörden, Kontrollen und Bußgelder regelt im Einzelnen das Abfallverbringungsgesetz.
Die EU hat diese Regeln erneuert. Die neue Verordnung über die Verbringung von Abfällen trat am 20. Mai 2024 in Kraft; die meisten Bestimmungen gelten seit dem 21. Mai 2026, die meisten Exportregeln ab dem 21. Mai 2027. Bis dahin galt die Verordnung (EG) Nr. 1013/2006 weiter. Seit Mai 2026 laufen die Verfahren elektronisch über ein zentrales EU-System.
Das Umweltbundesamt nennt in seinen rechtlichen Grundlagen der Abfallverbringung die Fundstellen: Es ist die Verordnung (EU) 2024/1157 über die Verbringung von Abfällen (VVA), die die Verordnung (EG) Nr. 1013/2006 ersetzt. Für Notifizierungen, die vor dem 21. Mai 2026 eingeleitet wurden, gelten die Übergangsbestimmungen des Artikels 85 VVA. Seit dem 21. Mai 2026 werden alle Verwaltungsverfahren der Abfallverbringung, auch solche, die nur den Informationspflichten unterliegen, über das elektronische System DIWASS (Digital Waste Shipment System) abgewickelt, nach Artikel 27 VVA in Verbindung mit der Durchführungsverordnung (EU) 2025/1290. Für Kunststoffabfälle gilt nach Artikel 39 VVA ab dem 21. November 2026 ein Ausfuhrverbot in Nicht-OECD-Staaten.
Entscheidend ist die Unterscheidung nach Bestimmungsort und Abfallart. Verbringungen zur Beseitigung sind strenger als solche zur Verwertung. Gefährliche Abfälle sind strenger als nicht gefährliche. Und Verbringungen innerhalb der EU sind einfacher als Ausfuhren in Drittstaaten.
Das Umweltbundesamt beschreibt die Regeln und Verfahren der grenzüberschreitenden Abfallverbringung im Detail, von der Notifizierung bis zur Rücknahme. Wer regelmäßig exportiert, sollte diese Grundlage kennen, bevor der erste Antrag gestellt wird.
Für Betriebe in Nordrhein-Westfalen, Bayern oder Baden-Württemberg bedeutet das: Der Entsorger allein löst das Problem nicht. Der Abfallerzeuger bleibt für die ordnungsgemäße Verbringung verantwortlich, auch wenn ein Dritter den Transport durchführt.
Warum die Verbringung ein eigener Rechtsvorgang ist
Der Transport ist nur der sichtbare Teil. Rechtlich entsteht die Verbringungspflicht schon durch die geplante Grenzüberschreitung. Wer Abfälle zur Verwertung ins EU-Ausland schickt, muss vor dem Transport eine Notifizierung vorlegen können.
Ohne gültige Notifizierung ist die Sendung illegal, selbst wenn alle Papiere für den Transport stimmen. Die Behörde kann die Sendung an der Grenze stoppen und die Rückführung anordnen. Die Kosten trägt der Notifizierende.
Abgrenzung zu innerstaatlichen Entsorgungswegen
Innerhalb Deutschlands genügen in der Regel Nachweise und Begleitscheine nach NachwV. Sobald eine Grenze überschritten wird, kommt das Notifizierungsverfahren hinzu. Beide Dokumentenwelten müssen zusammenpassen.
Das ist in der Praxis die häufigste Fehlerquelle: Der Nachweis ist korrekt, die Notifizierung fehlt oder nennt eine andere Abfallart. Dann stimmt die Abfalldokumentation nicht mit der tatsächlichen Sendung überein.
Notifizierungspflichten bei Verbringung in EU-Länder
Die Notifizierungspflicht trifft fast alle Abfälle, die in EU-Länder verbracht werden. Ausnahmen gelten nur für bestimmte grüne Abfälle nach Anhang III der Verordnung, etwa sortenreine Fraktionen. Auch dann bleiben Informationspflichten.
Notifizierungsverfahren EU-Verbringung
- Abfall einstufen und Abfallschlüssel nach AVV bestimmen
- Zuständige Behörde am Versandort einschalten
- Behörde leitet Notifizierung an Bestimmungsland weiter
- Durchfuhrländer können Einwände erheben
- Erst nach Zustimmung aller darf die Sendung starten
Das Verfahren läuft über die zuständige Behörde am Versandort. Sie leitet die Notifizierung an die Behörden im Bestimmungsland und gegebenenfalls im Durchfuhrland weiter. Erst wenn alle zustimmen, darf die Sendung starten.
Jede Notifizierung gilt für einen konkreten Abfall, einen konkreten Empfänger und einen konkreten Zeitraum. Ändert sich einer dieser Punkte, ist eine neue Notifizierung nötig. Pauschale Dauerfreigaben gibt es nicht.
Die Unterlagen beschreibt das Umweltbundesamt in seiner Übersicht zum Notifizierungsverfahren: Der Exporteur beantragt die geplante Verbringung mit Notifizierungsformular und Begleitformular sowie weiteren erforderlichen Unterlagen bei der zuständigen Behörde seines Landes. Die Zustimmungen der Behörden am Versandort und am Bestimmungsort müssen schriftlich vorliegen, Transitstaaten müssen zumindest stillschweigend zugestimmt haben. Die Zustimmung ist ein Jahr gültig; bei Verwertungsanlagen mit Vorabzustimmung kann diese Frist auf bis zu drei Jahre verlängert werden. Über Im- und Export entscheiden nach Paragraf 14 Abfallverbringungsgesetz die Bundesländer; bei der Ausfuhr ist die Behörde zuständig, in deren Bereich die Beförderung beginnt, für die Durchfuhr durch Deutschland das Umweltbundesamt.
Für Exportbetriebe heißt das: Die Logistikplanung muss die Behördenschleife einplanen. Wer kurzfristig auf einen Auftrag reagiert, kommt mit dem Verfahren nicht hinterher.
Wann keine Notifizierung nötig ist
Für bestimmte grüne Abfälle genügt eine schriftliche Information vor der Verbringung. Die Abfälle müssen im Anhang III der Verordnung genannt sein und dürfen nicht kontaminiert sein. Eine Verunreinigung hebt die Ausnahme auf.
Die Einordnung ist nicht immer eindeutig. Ein Gemisch aus mehreren grünen Fraktionen fällt oft nicht mehr unter die Ausnahme. Wer unsicher ist, sollte die Behörde vorab einbinden.
Der Ablauf in Kurzform
- Abfall einstufen und Abfallschlüssel nach AVV bestimmen.
- Zuständige Behörde am Versandort ermitteln.
- Notifizierungsformular einreichen, mit Empfänger und Entsorgungsweg.
- Stellungnahmen der beteiligten Behörden abwarten.
- Nach Zustimmung Transport mit gültigen Begleitdokumenten durchführen.
- Verwertung oder Beseitigung nachweisen und dokumentieren.
Rolle der NachwV und des eANV bei Ausfuhren
Die Nachweisverordnung regelt, wie Entsorgungsvorgänge dokumentiert werden. Sie betrifft gefährliche Abfälle und bestimmte nicht gefährliche Abfälle. Bei Ausfuhren verzahnt sie sich mit dem Notifizierungsverfahren.
Nachweis und Begleitschein im Vergleich
Nachweis
- Zweck
- beschreibt Entsorgungsweg vorab
- Zeitpunkt
- vor Beginn der Entsorgung
- Abwicklung
- elektronisch über eANV
- Pflicht bei
- gefährliche Abfälle
Begleitschein
- Zweck
- begleitet einzelne Sendung
- Zeitpunkt
- während des Transports
- Abwicklung
- elektronisch über eANV
- Pflicht bei
- auch nicht gefährliche Abfälle
Kernstücke sind der Nachweis und der Begleitschein. Der Nachweis beschreibt den Entsorgungsweg vorab, der Begleitschein begleitet die einzelne Sendung. Beide werden elektronisch über den eANV abgewickelt.
Der eANV ist die elektronische Nachweisverwaltung der Länder. Betriebe brauchen eine Software oder einen Dienstleister, der angebunden ist. Papier ist nur in Ausnahmefällen zulässig.
Die Nachweisführung nach NachwV und der eANV-Bezug sind bei grenzüberschreitenden Sendungen besonders fehleranfällig. Stimmen Abfallschlüssel, Mengen oder Empfänger nicht mit der Notifizierung überein, fällt das spätestens bei der Prüfung auf.
Nachweispflichten im Detail
Gefährliche Abfälle erfordern in der Regel Nachweise vor Beginn und nach Abschluss der Entsorgung. Bei nicht gefährlichen Abfällen greift oft nur der Begleitschein. Die genaue Zuordnung hängt von der Abfallart und dem Entsorgungsweg ab.
Bei Ausfuhren tritt die Notifizierung neben den Nachweis. Beide Dokumente müssen dieselbe Abfallart und dieselbe Menge ausweisen. Abweichungen sind zu erklären.
Elektronische Abwicklung
Der eANV ersetzt Papierformulare durch elektronische Datensätze. Die Behörden können den Status jederzeit einsehen. Für Betriebe bedeutet das schnellere Freigaben, aber auch strengere Plausibilitätsprüfungen.
Wer die Software wechselt, muss offene Vorgänge übernehmen. Ein unterbrochener Nachweis blockiert die Sendung. Zuständig für den Betrieb ist der Abfallerzeuger, nicht der Softwareanbieter.
Zuständigkeiten nach KrWG und EU-Recht
Das Kreislaufwirtschaftsgesetz regelt die Grundpflichten der Abfallwirtschaft in Deutschland. Es verpflichtet Erzeuger und Besitzer zur ordnungsgemäßen Entsorgung. Für Verbringungen verweist es auf die europäische Verordnung.
Die Zuständigkeiten nach dem Abfallverbringungsgesetz liegen bei den Ländern. In Bayern ist die Zentrale Stelle Abfallüberwachung am Landesamt für Umwelt zentraler Ansprechpartner. Andere Länder haben eigene Stellen, etwa in Nordrhein-Westfalen oder Sachsen.
Nach dem Gesetz führen die zuständigen Landesbehörden die Kontrollen durch, Zollbehörden und das Bundesamt für Logistik und Mobilität arbeiten mit ihnen zusammen. Ordnungswidrigkeiten nach dem Gesetz können je nach Tatbestand mit einer Geldbuße bis zu fünfzigtausend Euro, bis zu zwanzigtausend Euro oder bis zu zehntausend Euro geahndet werden.
Im Freistaat Sachsen ist die Landesdirektion Sachsen die für die grenzüberschreitende Abfallverbringung zuständige Behörde. In Nordrhein-Westfalen sind es die Bezirksregierungen; die Bezirksregierung Köln etwa prüft und genehmigt die Anträge für Export und Import von Abfällen in ihrem Regierungsbezirk.
Auf EU-Ebene legte bis Mai 2026 die Verordnung (EG) Nr. 1013/2006 das Verfahren fest, seither gelten für die meisten Bestimmungen die Regeln der neuen Verordnung. Die EU-Verordnung bestimmt, welche Behörde wofür zuständig ist und welche Fristen gelten. Nationales Recht darf dahinter nicht zurückbleiben.
Die rechtliche Einordnung der Kreislaufwirtschaft beschreibt das BMUKN in seinem Überblick. Danach hat die Abfallvermeidung Vorrang, gefolgt von Vorbereitung zur Wiederverwendung, Recycling und sonstiger Verwertung.
Behörden und ihre Rollen
Am Versandort sitzt die Behörde, die die Notifizierung annimmt. Im Bestimmungsland entscheidet die dortige Behörde über die Annahme. Durchfuhrländer können Einwände erheben.
In Deutschland sind die Länder zuständig, nicht der Bund. Ein Betrieb in Sachsen verhandelt also mit einer anderen Stelle als ein Betrieb in Rheinland-Pfalz. Die Verfahren ähneln sich, die Ansprechpartner nicht.
Fristen nach EU-Recht
Die Verordnung setzt Fristen für Stellungnahmen der Behörden. Werden sie versäumt, gilt eine Zustimmung teils als erteilt. Darauf sollte sich niemand verlassen, denn die Praxis kennt Ausnahmen.
Fristen beginnen mit vollständigen Unterlagen. Fehlt ein Nachweis, läuft die Frist nicht. Deshalb ist die Vollständigkeit der Abfalldokumentation der kritische Punkt im Zeitplan. Maßgeblich sind die Fristen der jeweils anwendbaren EU-Verordnung; für Verbringungen innerhalb der EU ist das seit dem 21. Mai 2026 die Verordnung (EU) 2024/1157.
Abfalleinstufung nach AVV für grenzüberschreitende Sendungen
Die Abfallverzeichnis-Verordnung liefert den Abfallschlüssel. Er ist sechsstellig und beschreibt die Abfallart. Ohne korrekten Schlüssel ist keine Notifizierung möglich.
Die Abfallschlüssel und die Einstufung nach AVV sind im Verzeichnis abschließend geregelt. Der Schlüssel entscheidet mit darüber, ob ein Abfall als gefährlich gilt. Gefährliche Abfälle tragen ein Sternchen.
Für grenzüberschreitende Sendungen muss der Schlüssel zum Bestimmungsland passen. Das europäische Abfallverzeichnis ist Grundlage der AVV, doch die Anwendung unterscheidet sich. Ein falscher Schlüssel führt zur Ablehnung.
Betriebe sollten die Einstufung dokumentieren und begründen. Bei Gemischen oder neuen Stoffströmen hilft eine Abstimmung mit der Behörde oder einem Sachverständigen.
Gefährlich oder nicht gefährlich
Die Einstufung bestimmt das Verfahren. Gefährliche Abfälle brauchen in der Regel eine Notifizierung, auch innerhalb der EU. Nicht gefährliche Abfälle können unter die Informationspflicht fallen.
Das Sternchen im Abfallschlüssel ist nicht das einzige Kriterium. Auch die Herkunft und die Inhaltsstoffe spielen eine Rolle. Die AVV nennt die maßgeblichen Regeln.
Typische Fehler bei der Einstufung
Häufig werden Mischfraktionen zu grob eingestuft. Ein Sammelschlüssel passt selten zu einer konkreten Exportcharge. Auch veraltete Schlüssel tauchen noch in Formularen auf.
Ein weiterer Fehler ist die Verwechslung von Produkt und Abfall. Sobald sich der Besitzer eines Stoffes entledigt oder entledigen muss, ist es Abfall. Dann greift die AVV.
| Abfallart | Typischer Schlüssel | Bedeutung für die Verbringung |
|---|---|---|
| Aluminiumschrott, sortenrein | 17 04 02 | Oft grüne Liste, Information genügt |
| Gebrauchte Lösemittel | 07 01 04* | Gefährlich, Notifizierung nötig |
| Altbatterien, gemischt | 16 06 01* | Gefährlich, strenge Nachweise |
| Papier und Pappe | 20 01 01 | Meist grüne Liste, Information genügt |
| Ölhaltige Betriebsmittel | 13 02 05* | Gefährlich, Notifizierung nötig |
Praktische Abläufe: Anträge, Fristen und Behördenkontakt
Der erste Schritt ist immer die Einstufung. Danach klärt der Betrieb, ob eine Notifizierung nötig ist. Erst dann lohnt der Blick auf Formulare und Fristen.
Zuständig ist die Behörde am Ort der Abfallentstehung. Bei mehreren Standorten kann das mehrere Verfahren bedeuten. Eine Bündelung ist nur bei gleichem Abfall und gleichem Empfänger möglich.
Der Antrag muss vollständig sein. Dazu gehören Angaben zum Erzeuger, zum Empfänger, zum Entsorgungsweg und zur Abfallart. Fehlende Angaben verzögern das Verfahren.
Der Kontakt zur Behörde sollte früh erfolgen. Viele Länder bieten Sprechstunden oder Formularhilfen an. Wer unsicher ist, stellt eine Anfrage vor dem eigentlichen Antrag.
Checkliste für den Antrag
Checkliste für den Notifizierungsantrag
- Abfallschlüssel nach AVV bestimmt und begründet
- Gefährlichkeit des Abfalls geprüft
- Empfänger und Entsorgungsanlage im Ausland benannt
- Nachweise nach NachwV im eANV angelegt
- Notifizierungsformular vollständig ausgefüllt
- Durchfuhrländer identifiziert
- Fristen für Stellungnahmen eingeplant
Vor dem Absenden sollte der Antrag diese Punkte abdecken:
- Abfallschlüssel nach AVV und Einstufung als gefährlich oder nicht gefährlich, mit Begründung.
- Prüfung, ob der Abfall unter Anhang III fällt und eine Information genügt, oder ob notifiziert werden muss.
- Angaben zu Erzeuger, Notifizierendem, Empfänger und Entsorgungsanlage.
- Entsorgungsweg, also Verwertung oder Beseitigung, mit Menge und Zeitraum.
- Den Vertrag zwischen Notifizierendem und Empfänger, nach Artikel 5 der Verordnung (EG) Nr. 1013/2006 und der Entsprechung in der neuen Verordnung.
- Die Sicherheitsleistung oder entsprechende Versicherung, nach Artikel 4 und 6 der Verordnung (EG) Nr. 1013/2006 und der Entsprechung in der neuen Verordnung; die Behörde kann erlauben, dass der Nachweis darüber spätestens mit der Mitteilung über den tatsächlichen Beginn der Verbringung vorgelegt wird.
- Abgleich mit Nachweis und Begleitschein im eANV, damit Abfallart und Menge übereinstimmen.
Praxisbeispiel: Schrottlieferung nach Österreich
Ein Metallverarbeiter in Bayern will sortenreinen Aluminiumschrott nach Österreich liefern. Der Abfall fällt unter einen grünen Schlüssel, eine Notifizierung ist nicht nötig.
Der Betrieb erstellt eine schriftliche Information vor der Verbringung. Er hinterlegt den Begleitschein im eANV und dokumentiert die Empfängeranlage. Die Lieferung kann starten.
Ändert sich die Fraktion, etwa durch Anhaftungen, entfällt die Ausnahme. Dann braucht der Betrieb eine Notifizierung, und der Zeitplan verschiebt sich um Wochen.
Behördenkontakt richtig vorbereiten
Eine gute Vorbereitung verkürzt das Verfahren. Dazu gehören ein Ansprechpartner beim Empfänger, eine Bestätigung der Anlage und klare Mengenangaben.
Bei Rückfragen der Behörde sollte die Antwort innerhalb der gesetzten Frist erfolgen. Verstreicht sie, gilt der Antrag als nicht gestellt. Ein neuer Antrag kostet Zeit und Gebühren. Die Gebühren für Ein- und Ausfuhr legen die Bundesländer in ihren eigenen Regelungen fest, die für die Durchfuhr durch Deutschland die Besondere Gebührenverordnung des Bundesumweltministeriums (BMUVBGebV); die Höhe erfragen Betriebe deshalb bei der Behörde ihres Landes.
Risiken und Bußgelder bei Verstößen
Illegale Verbringungen sind kein Formfehler. Sie können als Straftat gewertet werden. Daneben drohen Bußgelder, Rückführungskosten und der Verlust von Genehmigungen.
Folgen illegaler Abfallverbringung
Ordnungswidrigkeit
- Beispiel
- falscher Empfänger
- Folge
- Bußgeld bis sechsstellig
- Weitere Kosten
- Rückführungskosten
- Langfristig
- Zuverlässigkeit gefährdet
Straftat
- Beispiel
- fehlende Notifizierung
- Folge
- Strafbarkeit möglich
- Weitere Kosten
- Rücknahme angeordnet
- Langfristig
- Genehmigungen betroffen
Die Behörden kontrollieren an Grenzen, in Häfen und bei Entsorgern. Auffällige Dokumente lösen Prüfungen aus. Stimmt die Abfalldokumentation nicht, wird die Sendung gestoppt.
Die Kosten der Rückführung trägt in der Regel der Notifizierende oder der Verbringer. Bei illegalen Sendungen kann die Behörde die Rücknahme anordnen. Der Aufwand übersteigt den Wert der Ladung oft deutlich.
Wiederholte Verstöße gefährden die Zuverlässigkeit des Betriebs. Das kann Genehmigungen und die Zusammenarbeit mit Entsorgern betreffen.
Typische Verstoßarten
Häufig fehlt die Notifizierung ganz. Ebenso häufig weichen Abfallschlüssel oder Mengen von den Papieren ab. Manchmal wird eine grüne Fraktion deklariert, obwohl der Abfall gefährlich ist.
Auch der falsche Empfänger ist ein Verstoß. Die Notifizierung nennt eine Anlage, geliefert wird an eine andere. Das ist keine Nachlässigkeit, sondern eine Ordnungswidrigkeit.
Konsequenzen im Überblick
Neben Geldbußen drohen Stilllegungen von Transporten und Anordnungen zur Rückführung. Bei Vorsatz oder Leichtfertigkeit kommt eine Strafbarkeit hinzu.
Für exportorientierte Betriebe ist das ein erhebliches Risiko. Ein einzelner fehlerhafter Vorgang kann den gesamten Standort in Prüfungen ziehen.
Vorbeugung im Betrieb
Klare Zuständigkeiten helfen mehr als jede Einzelmaßnahme. Wer prüft den Abfallschlüssel, wer den Nachweis, wer die Notifizierung? Diese Fragen sollten schriftlich geregelt sein.
Regelmäßige Schulungen halten das Wissen aktuell. Die Rechtslage ändert sich, etwa bei Abfallschlüsseln oder Fristen. Ein jährlicher Blick auf die Verfahren lohnt sich.
Die Zusammenarbeit mit einem Entsorgungsfachbetrieb nach EfbV reduziert Risiken, ersetzt aber keine eigene Prüfung. Die Verantwortung bleibt beim Erzeuger.
Häufige Fragen
Wann brauche ich eine Notifizierung für eine Verbringung in ein EU-Land?
In der Regel immer, außer der Abfall steht im Anhang III der EU-Verordnung und ist unkontaminiert. Dann genügt eine schriftliche Information vor der Verbringung. Im Zweifel sollte die Behörde vorab gefragt werden.
Welche Rolle spielt die NachwV bei Ausfuhren?
Die Nachweisverordnung regelt Nachweise und Begleitscheine, die über den eANV elektronisch abgewickelt werden. Bei Ausfuhren tritt die Notifizierung neben den Nachweis. Beide Dokumente müssen dieselbe Abfallart und Menge ausweisen.
Wer ist für die Verbringung zuständig, der Erzeuger oder der Entsorger?
Verantwortlich bleibt der Abfallerzeuger, auch wenn ein Dritter transportiert oder entsorgt. Zuständige Behörde ist die Stelle am Versandort, in Bayern etwa die Zentrale Stelle Abfallüberwachung. Die Grundpflichten ergeben sich aus dem KrWG.
Wie finde ich den richtigen Abfallschlüssel für den Export?
Der Schlüssel steht im Verzeichnis der AVV und muss die tatsächliche Abfallart abbilden. Gefährliche Abfälle tragen ein Sternchen. Bei Gemischen oder neuen Stoffströmen hilft die Abstimmung mit der Behörde.
Was passiert bei einer illegalen Verbringung?
Die Sendung kann gestoppt und die Rückführung angeordnet werden. Es drohen Bußgelder und bei Vorsatz oder Leichtfertigkeit eine Strafbarkeit. Die Kosten trägt in der Regel der Notifizierende oder Verbringer.
Wie lange dauert eine Notifizierung?
Die Verordnung setzt Fristen für die Stellungnahmen der beteiligten Behörden. Sie beginnen erst mit vollständigen Unterlagen. Fehlt ein Nachweis, verschiebt sich der Start der Sendung entsprechend. Ist die Zustimmung erteilt, gilt sie ein Jahr, bei Anlagen mit Vorabzustimmung bis zu drei Jahre.


