
Betriebsabfälle
Münchner Gewerbeabfall und kommunale Satzungen richtig einordnen
Gewerbeabfall entsorgen in München: welche kommunale Satzung gilt, welche Pflichten das KrWG Dienstleistungsbetrieben auferlegt und wie die Getrenntsammlung gelingt.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Für Münchner Betriebe greifen Kreislaufwirtschaftsgesetz, Gewerbeabfallverordnung und die Abfallwirtschaftssatzung der Landeshauptstadt parallel.
- Dienstleistungsbetriebe sind Erzeuger und Besitzer von Abfällen, auch ohne eigene Produktion.
- Getrennt zu sammeln sind mindestens Papier, Glas, Metalle, Kunststoffe und Bioabfall, jeweils am Anfallort.
- Anschluss- und Benutzungszwang gilt nur für einen Teil der Gewerbeabfälle.
- Ausnahmen von der Getrenntsammlung brauchen eine schriftliche, prüfbare Begründung.
Drei Regelwerke greifen parallel
Das KrWG setzt den Rahmen für jede Entsorgung in Deutschland. § 6 KrWG legt die Abfallhierarchie fest: Vermeidung vor Vorbereitung zur Wiederverwendung, vor Recycling, vor sonstiger Verwertung, vor Beseitigung. § 15 KrWG regelt die Überlassungspflicht an den öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger. Die Grundpflichten stehen im Volltext des Kreislaufwirtschaftsgesetzes.
Für Betriebe konkretisiert die Gewerbeabfallverordnung die Getrenntsammlung. Entscheidend ist die Trennung am Anfallort, nicht erst bei der Abholung.
Die dritte Ebene ist Ortsrecht: die Abfallwirtschaftssatzung der Landeshauptstadt München. Einen Überblick zur bayerischen Abfallwirtschaft bietet das bayerische Umweltministerium.
Was der Anschluss- und Benutzungszwang bedeutet
Die Satzung verpflichtet Grundstückseigentümer und Betriebe, bestimmte Abfälle dem kommunalen Entsorgungsträger zu überlassen. In München ist das der Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM), ein Eigenbetrieb der Stadt.
Der Zwang trifft hausmüllähnliche Gewerbeabfälle zur Beseitigung, etwa Restmüll aus Büros. Verwertbare Fraktionen können Betriebe über einen privaten Entsorger entsorgen lassen.
Die Satzung kann einzelne Abfallarten ausschließen und gesonderte Anlieferstellen vorschreiben. Prüfen Sie dazu die jeweils geltende Fassung.
Für reine Bürobetriebe gilt sie ebenfalls, auch wenn dort nichts produziert wird. Wer nur Flächen anmietet, klärt die Behälterstellung mit dem Vermieter oder bestellt eigene Behälter.
Pflichtfraktionen und übliche Behältergrößen
Die GewAbfV nennt die Fraktionen, die getrennt zu erfassen sind. Die Übersicht zeigt typische Anfallorte und Behältergrößen in Dienstleistungsbetrieben.
Pflichtfraktionen und Behältergrößen
| Fraktion | Typischer Anfallort | Übliche Behältergröße |
|---|---|---|
| Papier, Pappe, Karton | Drucker, Aktenlager, Versand | 240 l oder 1.100 l |
| Glas | Teeküche, Besprechungsräume | 240 l |
| Metalle | Werkstatt, IT-Rückbau | 240 l oder 1.100 l |
| Kunststoffe | Verpackungen, Folien, Lager | 240 l oder 1.100 l |
| Bioabfall | Teeküche, Kantine | 120 l oder 240 l |
Die Größen entsprechen genormten Mobilbehältern nach DIN EN 840. Eine Mengenanalyse über vier Wochen ersetzt die Tabelle nicht: Zu große Behälter werden selten geleert, zu kleine führen zu Fehlwürfen.
Ausnahmen belegen statt behaupten
Die Verordnung lässt Abweichungen zu, wenn die Getrenntsammlung technisch nicht möglich oder wirtschaftlich nicht zumutbar ist. Platzmangel allein genügt selten, wenn ein anderer Aufstellort möglich wäre.
Dokumentieren Sie je Fraktion den Grund, den Zeitraum und die getroffene Ersatzmaßnahme. Prüfen Sie die Begründung jährlich sowie bei Änderungen von Mitarbeiterzahl, Fläche oder Abfallarten.
Verstöße gegen Getrenntsammlung und Dokumentation sind Ordnungswidrigkeiten. Der Bußgeldrahmen des KrWG reicht bis 100.000 Euro, zusätzlich kann die Behörde eine andere Entsorgung anordnen.
Erstdokumentation in fünf Schritten
- Abfallarten und Mengen je Standort erfassen, mit Mengenanalyse über vier Wochen.
- Abfallschlüssel nach der Abfallverzeichnis-Verordnung vergeben.
- Getrenntsammlung einrichten, Behälter bestellen und Aufstellorte festlegen.
- Ausnahmen prüfen, schriftlich begründen und ablegen.
- Vertrag mit einem Entsorgungsfachbetrieb schließen und Nachweise archivieren.
Erstdokumentation in fünf Schritten
- Abfallarten erfassen und Mengen schätzen
- Abfallschlüssel nach AVV zuordnen
- Getrenntsammlung einrichten und Behälter bestellen
- Ausnahmen schriftlich begründen und ablegen
- Vertrag mit Entsorgungsfachbetrieb schließen
Für bayerische Betriebe erläutern die infoBlätter Kreislaufwirtschaft des LfU die Nachweispflichten. Halten Sie je Übergabe Abfallart, Abfallschlüssel, Menge, Entsorger und Verbleib fest.
Woran Münchner Betriebe einen geeigneten Entsorger erkennen
Ein Entsorgungsfachbetrieb mit Zertifizierung nach der Entsorgungsfachbetriebeverordnung weist Fachkunde, Zuverlässigkeit und ordnungsgemäße Anlagen nach. Lassen Sie sich die Anlagen nennen, in denen die einzelnen Fraktionen verwertet werden.
Der Vertrag sollte Fraktionen, Behältergrößen, Leerungsrhythmus, Nachweise und Preise ausweisen. Prüfen Sie Mengen und Behältergrößen jährlich. Fragen zur Auslegung der Ortssatzung klären Sie mit der Abfallberatung des AWM oder der IHK für München und Oberbayern.
Häufige Fragen
Gilt die Münchner Abfallwirtschaftssatzung auch für reine Bürobetriebe?
Ja. Sie knüpft an das Grundstück und die dort anfallenden Abfälle an, nicht an eine produzierende Tätigkeit.
Darf ich einen privaten Entsorger frei wählen?
Für verwertbare Gewerbeabfälle in der Regel ja. Für hausmüllähnliche Abfälle zur Beseitigung gilt der kommunale Anschluss.
Wie belege ich eine Ausnahme von der Getrenntsammlung?
Mit einer datierten, unterschriebenen Begründung je Fraktion, die technische Unmöglichkeit oder wirtschaftliche Unzumutbarkeit darlegt und jährlich überprüft wird.
Muss ich als Büro alle Fraktionen trennen?
Die Pflicht gilt, soweit die Fraktionen anfallen. Weitere Stoffe wie Holz oder Textilien kommen hinzu, wenn sie im Betrieb entstehen.
Welche Sanktionen drohen bei fehlenden Nachweisen?
Die Behörde kann Nachweise verlangen und die Entsorgung neu anordnen. Verstöße können als Ordnungswidrigkeit mit Bußgeld geahndet werden.



